Waldorfkindergarten Geldern

Unser Garten - ein Garten für Kinder

Nähert man sich von der Konrad-Adenauer-Straße sieht man zuerst kraftstrotzendes Efeu, das zusammen mit dem Maschendrahtzaun den Garten auf der rechten Seite einfasst. Auf der linken Seite der Gartentür ist ein neues Beet mit Fenchel, Rosmarin, Sonnenblumen und anderen großen aromatischen und schönen Pflanzen neben der schon lange ansässigen duftenden Rose entstanden. Dazwischen wuchern die Lampionblumen ihrem bunten Herbst entgegen.
Unsere im März gesetzte Hainbuchenhecke entwickelt sich gut und wird demnächst zusammen mit dem neuen Zaun den Garten von Westen und Süden einfrieden.
Es wachsen vor allem einheimische Wildpflanzen hier. Auf diese Weise ist der Garten pflegeleicht, gesund und bietet einer Vielzahl von Tieren Wohnung und Nahrung. (Von und in einem Schwarzen Holunder leben z.B. 62 Vogelarten, von Weigelie oder Forsythie nur jeweils eine Art.)
Eine große Anzahl von Gräsern bietet vielfältige Samenstände. Scharbockskraut und Frauenmantel gefällt es so gut, dass sie sich neue Standorte erobert haben. In der Kleewiese summt und brummt es und scheint die Sonne darauf, mischt sich ein würziger, krautiger Geruch mit dem süßen Duft, der von den Holunderblüten herüberweht.
Im Totholzhaufen unterm Haselstrauch leben in fruchtbarer Nachbarschaft zum Kompost zahlreiche Tiere. Die spektakulärsten sind sicherlich die Nashornkäfer.
Die Weidenschnecke ist im Winter licht und ihre Konstruktion einsehbar. Im Sommer ist sie ein Geborgenheit ausstrahlender Tunnel, der jeden einlädt, gebückt oder auf allen Vieren, ihren Windungen zu folgen um bis ins Innere zu gelangen.
Unser neues Gartenhaus bietet unseren Kindern Regen- und Sonnenschutz, Platz für Frühstück, Spiele und Arbeiten mit Naturmaterialien.
Dahinter wird aus totem Pflanzenmaterial durch die Arbeit unzähliger kleiner Tiere nährstoffreiche, fruchtbare, duftende Komposterde.
Im Kräuterbeet am Sandspielplatz wachsen sonnenliebende Pflanzen wie Lavendel, Oregano, Heiligenkraut, Schmetterlingsflieder, pfirsichblättrige Glockenblumen und vieles mehr. Dort, wo das Beet im Lauf des Tagesmehr beschattet wird sind Zitronenmelisse und echte Pimpinelle zu Hause.
Auf einigen Beeten haben wir durch Züchtung nach menschlichen Wünschen veränderte Pflanzen gesetzt: Eine Reihe „Golden Bantam“-Zuckermais wächst längs des Hauptweges, Kartoffeln der Sorte „Blauer Schwede“ entwickeln sich prächtig zwischen Heu und der nahrhaften Komposterde.

Wir teilen uns dieses Stück Erde mit vielen anderen Lebewesen: Ameisen, Käfer, Würmer, Spinnen, Mäuse, Vögel, Schmetterlinge, Bäume, Sträucher, Kräuter und Blumen bewohnen den Garten. So üben Erwachsene und Kinder zu leben und zu ernten und den anderen Wesen dabei ihren Teil zu überlassen.
Viele Teepflanzen wachsen im Garten.
(Un-)Kraut ist eigentlich Gemüse, Salat und Medizin.

Hier wird vieles greifbar, was sonst nur in verarbeiteter Form bekannt ist. Die heilsame Wirkung von Calendula-Salbe kennen viele; hier wächst die schöne Ringelblume (Calendula officinalis) „in echt“. Johannisbeeren, Brombeeren und Himbeeren begleiten wir von der Blüte über die grünen Beeren bis zur Reife. Fencheltee hat fast jeder schon getrunken. Hier sehen wir wie groß und zart die Blätter dieser stattlichen Pflanze sind.
Bei Kräuterspaziergängen widmen wir uns speziellen Themen, etwa der Zubereitung von Wildkräutergerichten, dem Tee oder dem Erfindergeist der Natur.
Durch den Aufenthalt im Garten „erden“ wir uns; wir erleben was machbar ist und was nicht. Wir haben einen großen Spielraum und erfahren Grenzen. Wir können die dünne Humusschicht fühlen, von der wir alle leben. Es sind diese 30, 40 cm Erdoberfläche in der die Pflanzen wachsen die uns ernähren, kleiden, heilen, wärmen, erfreuen, Genuss verschaffen...
So lernen unsere Kinder mit der Natur zu arbeiten und nach ihren Gesetzen zu leben.
Indem wir im Garten sind und arbeiten wird der Garten zu unserem Garten. Die tatkräftigen Menschen der Gartengruppe gestalten dieses Stück Erde.

Bei der Arbeit unterhalten wir uns über den Garten und die Welt, tauschen uns aus und kommen der Natur nahe.

Unser Garten tut allen gut.