Waldorfkindergarten Geldern

Inhaltsverzeichnis:
1. Vorwort
2. Rahmenbedingungen
2.1. Träger
2.2. Gesetzliche Grundlagen
2.3. Einzugsbereich
2.4. Aufnahmeverfahren
2.5. Betreuungsangebote
2.5.1. Inklusion
2.6. Finanzen/Beiträge
2.7. Räumliche Gestaltung und Außengelände
3. Pädagogisches Handeln
3.1. Leitbild und Zielsetzung unserer pädagogischen Arbeit
3.2. Umsetzung
3.2.1. Die Erzieherinnen als Vorbild
3.2.2. Rhythmus und Wiederholung
3.2.3. Das Freispiel
3.2.4. Eurythmie
3.2.5. Musik, Fingerspiel, Reigen und Puppenspiel
3.2.6. Alltagsintegrierte Sprachförderung
3.2.7. Jahreszeiten und -feste
3.2.8. Nahrung für Körper, Geist und Seele
3.2.9. Ein typischer Tag
4. Zusammenarbeit...
4.1. ...im Team
4.1.1. Zusammensetzung des pädagogischen Teams
4.1.2. Team- und Gruppenbesprechungen
4.1.3. Fortbildungen
4.2. ...mit den Eltern
4.2.1. Die Rolle der Eltern
4.2.2. Die Mitwirkung der Eltern
5. Beschwerdemanagement
5.1. Allgemein
5.2. Beschwerdemanagement Kinder
5.2.1. Kinder-Kinder
5.2.2. Kinder-Erzieherin
5.3. Beschwerdemanagement Eltern
5.3.1. Eltern-Team
5.3.2. Eltern-Eltern
5.4. Beschwerdemanagement Team
6. Sonderfall Kindeswohlgefährdung
7. Schlusswort

Konzeption

1. Vorwort: Intention des Konzepts

Dieses Konzept soll unseren Kindergarten beschreiben und ist entstanden im Austausch zwischen Erziehern, Vorstand und Elternvertretern. Es soll die Vorgaben des Kibiz ebenso erfüllen wie den Eigenarten der Waldorf-Pädagogik Rechnung tragen und versteht sich daher als Ideensammlung, die den Gegebenheiten angepasst und ständig überprüft werden muss. Sie soll interessierten Eltern Einblicke geben in die (pädagogische) Arbeit unseres Kindergartens.

2. Rahmenbedingungen

2.1. Träger

Der Träger des Kindergartens ist der Verein Waldorfkindergarten Geldern e.V., der aus den Eltern der Kindergartenkinder sowie Förderern besteht.

2.2. Gesetzliche Grundlagen

Die rechtlichen Grundlagen sind im Kinderbildungsgesetz (Kibiz) des Landes NRW festgelegt. Diese können unter folgendem Link auf der Homepage des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW eingesehen werden: http://www.mgffi.nrw.de/kinder-und-jugend/KiBiz_Unterseite/index.php. Der Waldorfkindergarten ist eine sozialpädagogische Einrichtung, die neben der Betreuungsaufgabe einen eigenständigen Erziehungs- und Bildungsauftrag hat. Sie hat eine Familien ergänzende, unterstützende und gleichzeitig entlastende Funktion. Im Vordergrund stehen die Förderung der individuellen Entwicklung des Kindes sowie die Förderung des Kindes im Rahmen seines sozialen Umfeldes, ergänzt durch Beratung und Information der Erziehungsberechtigten.

2.3. Einzugsbereich

Der Einzugsbereich der Einrichtung sind der Großraum Geldern und die umliegenden Ortschaften.

2.4. Aufnahmeverfahren

Interessierte Eltern können sich entweder im Rahmen regelmäßiger öffentlicher Veranstaltungen wie z.B. Tage der offenen Tür oder nach individueller Terminvereinbarung jederzeit über das pädagogische Konzept informieren und die räumlichen Vorzüge unseres Kindergartens kennen lernen. Die Anmeldung eines Kindes kann jederzeit während des Kindergartenjahres bei der Leiterin erfolgen. über die Aufnahme eines Kindes entscheidet das Kindergartenkollegium in Abstimmung mit dem Vorstand. Die Aufnahme erfolgt mit Unterzeichnung eines Betreuungsvertrages zwischen dem Trägerverein und den Erziehungsberechtigten.

2.5. Betreuungsangebote

In unserem Kindergarten nehmen wir bis zu 50 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren in altersgemischten Gruppen auf. Dies entspricht einer Genehmigung der Gruppenform III des Kibiz. Wir bieten derzeit nach Wahl eine 35- oder 45stündige Betreuungszeit, nach der Gruppenform IIIb bzw. c des Kibiz an. Der Kindergarten ist von montags bis freitags durchgehend von 7.15 Uhr bis 16.15 geöffnet, wobei die Kinder in 35-Stunden-Betreuung den Kindergarten täglich bis 14.00 Uhr und an einem Wochentag, i.d.R. donnerstags, von 7.15 Uhr bis 16.15 Uhr besuchen können. Die Bringzeit ist von 7.15 Uhr bis 8.45 Uhr. Kinder, die nicht am Mittagessen teilnehmen (sollen), werden um 12.15 Uhr abgeholt; alle anderen essen um 12.30 Uhr gemeinsam und ruhen bis zur zweiten Abholzeit um 14.00 Uhr. Kinder unterschiedlicher Nationalitäten verstehen wir als kulturelle Bereicherung. Sie sind uns herzlich willkommen. Der Kindergarten ist nicht konfessionell gebunden, orientiert sich jedoch an christlichen Werten.

2.5.1 Inklusion

„Auf jemanden warten heißt, zur verabredeten Zeit am richtigen Ort zu sein und gegebenenfalls ein Stück entgegen zu kommen.“
Jeder Mensch bringt Qualitäten mit sich, durch die wir alle lernen können. So ist jeder bei uns willkommen. In einem Gespräch legen wir gern unsere individuellen Möglichkeiten dar.
Insbesondere in der Arbeit mit behinderten Kindern legen wir größten Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern und anderen Institutionen, wie z.B. Therapeuten, Ärzten etc. Auch für eine Zusammenarbeit mit Integrationshelfern sind wir offen.

2.6. Finanzen/Beiträge

Die monatlichen Elternbeiträge für einen Platz in unserer Tageseinrichtung für Kinder sind gesetzlich geregelt und werden in Abhängigkeit des Einkommens der Erziehungsberechtigten vom Jugendamt der Stadt Geldern festgelegt. Das letzte Kindergartenjahr ist derzeit beitragsfrei. Unabhängig von den gesetzlich zu entrichtenden Elternbeiträgen ist monatlich ein Beitrag zu den nicht durch öffentliche Mittel abgedeckten laufenden Betriebskosten der Einrichtung an den Trägerverein zu entrichten, enthalten sind auch die Kosten für das Frühstück. Außerdem entstehen Kosten für den Förderverein, aus dem die Mitgliedschaft in der Vereinigung der Waldorfkindergärten sowie die Kosten für pädagogische Angebote und Fortbildungen für Eltern und Erzieher finanziert werden. Diese Beiträge werden von den entsprechenden Gremien verwaltet und entstehen auch im letzten Kindergartenjahr oder bei Befreiung von den Jugendamtsumlagen. Details sind in der Satzung des Träger- bzw. Fördervereins geregelt.

2.7. Räumliche Gestaltung und Außengelände

Das vom Baustil an ein Wohnhaus angelehnte Gebäude des Kindergartens befindet sich in einem verkehrsberuhigten Bereich im Barbaragebiet der Stadt Geldern. Das Erdgeschoß besteht aus einer Nutzfläche von 311,83 qm. über dem Kindergarten befindet sich eine Mietwohnung, die nicht vom Kindergarten genutzt wird. Es sind vom großzügigen Eingangsbereich ausgehend beide Gruppen gut zu erreichen. Die Gruppenräume verfügen über einen Nebenraum zur Differenzierung (Ruhen, ruhiges Spielen), einen an den Gruppenraum angegliederten Waschraum sowie über einen Abstellraum. Jede Gruppe verfügt über eine Außentüre (auch Fluchttüre) zum Außengelände. Außerdem verfügt der Kindergarten über einen Mehrzweckraum, der sowohl für Bewegungsangebote (Eurythmie) sowie als Schlafraum genutzt wird. Auch dieser Raum verfügt über einen Abstellraum, in dem sich der Zugang zum Söller befindet. Hinzu kommen die Küche, die Personaltoilette mit integrierter Dusche, Putzräume und das Büro. Bei der Ausstattung der Räume wurde darauf geachtet, dass vorwiegend Naturmaterialien verwendet wurden. So sind die Böden in den Gruppenräumen aus Holzparkett angelegt, die Tische, Stühle und Regale sind ebenfalls aus Massivholz. Um das Haus herum befindet sich ein großer Garten mit altem Baumbestand. Das Spielzentrum im Garten bilden eine Sandkastenanlage in Schneckenform, ein Kletterturm mit Rutsche, ein einsehbares Holzspielhaus und ein Wasserlauf. Darüber hinaus verfügt die Einrichtung über einen separaten großen Naturgarten, in dem sich neben einem ca. 20 qm großen Holzhaus natürlich gestaltete Spiel- und Pflanzbereiche, wie z.B. verschiedene Kräuter- und Wildblumenbeete, eine Kleewiese, eine Weidenschnecke, ein Sandhügel für das freie Spiel der Kinder und ein schöner großer Sitzplatz für alle Kinder befinden. Der Naturgarten befindet sich auf einem separat eingezäunten Grundstück und ist über eine verkehrsberuhigte Sackgasse zu erreichen.

3. Pädagogisches Handeln

3.1. Leitbild und Zielsetzungen unserer pädagogischen Arbeit

"Das Kind in Liebe und Ehrfurcht annehmen" (Steiner) bedeutet für uns, dass das Kind von Anfang an ein eigenständiger Mensch mit einer unverwechselbaren, einmaligen Individualität ist. Wie es diese Individualität entfalten kann, hängt ganz besonders von den Einflüssen der Kindheit ab. Denn in den ersten sieben Lebensjahren wirken die äußeren Reize ungefiltert auf Körper, Geist und Seele des Kindes ein. Es ist von größter Bedeutung, welche Angebote dem Kind während dieser Zeit gemacht werden.
Wir sehen es als unsere Aufgabe, gemeinsam mit dem Kind in seiner Entwicklung, in Zusammenarbeit mit seinen Eltern und anderen Begleitern, eine stabile Basis zu bilden, auf der es Stärke, Mut, Offenheit und Lebenswillen aufbauen kann. So wird es sich als sicherer gefestigter Mensch in der heutigen Zeit bewegen können.
Uns ist es wichtig, dem Kind Sinneseindrücke von höchster Qualität zu vermitteln. Für das gesunde Heranwachsen des Kindes steht aus unserer Sicht im Vordergrund, Reizüberflutungen und zu frühe Intellektualisierung zu vermeiden. Unser Haus soll damit für alle Familien ein Ort der Begegnung in gegenseitiger Wertschätzung und Achtung sein.

3.2. Umsetzung (Wege zur Zielerreichung)

3.2.1. Die Erzieherinnen als Vorbild

Die Rolle der Waldorferzieherinnen ist es, Vorbilder anzubieten, an denen sich das Kind orientieren kann, ebenso wie eine Halt bietenden Struktur aus verlässlichen Regeln und Abläufen - einen sich immer wiederholenden Rhythmus, der ihm Sicherheit und Geborgenheit gibt, sodass es schließlich seinen ganz persönlichen Rhythmus finden kann. Die Erzieherinnen bereiten dem Kind also eine Umgebung, die all seinen Bedürfnissen entspricht. Dazu gehören die bewusste Gestaltung der Räume, die Auswahl geeigneter Spielmaterialien sowie die klare Gestaltung des Tagesablaufs. Die Erzieherinnen schaffen darin für die Kinder mittels liebevoller Konsequenz einen verlässlichen Rahmen. Durch sinnvolle praktische Tätigkeiten - wie Kochen, Backen und Handwerken - regen die Erzieherinnen das Kind zur Nachahmung an. Das Kind hat eine sehr feine Wahrnehmung für seine Umgebung und ahmt diese unreflektiert nach. Daher bieten wir ihm durch ein bewusstes Vorbild die Möglichkeit, sich immer an seinen Entwicklungsstand angepasst nach und nach in der komplexen Welt zurecht zu finden und auf die Aufgaben des späteren Lebens vorbereitet zu sein.

3.2.2. Rhythmus und Wiederholung

Die rhythmische Gestaltung des Jahres in Jahreszeiten mit den darin stattfindenden christlichen Festen, der Wochenrhythmus und der Tagesablauf bieten dem Kind Orientierung und Sicherheit. Besonderen Wert legen wir in diesem Zusammenhang auf Rituale, die für das Kind verlässlich immer wiederkehren. Unser rhythmischer Tagesablauf, in dem sich Phasen der Aktivität mit Phasen der Ruhe abwechseln, stärkt die Lebenskräfte des Kindes und gibt ihm Sicherheit. Es ist unser Anliegen, dem Kind so einen Ort der Geborgenheit zu bieten. Da alle Sinneseindrücke direkt auf das Kind wirken, schaffen wir ihm dadurch sowohl eine äußere, warme Hülle, als wir ihm auch in Wort und Gebärden dem Kind die Bildung einer innerlich reichen Umgebung ermöglichen. So können die Eltern beruhigt und mit Vertrauen ihre Kinder an einen Ort bringen, an dem das Wohl des Kindes im Vordergrund steht und sie außerdem fachkundige Unterstützung erhalten. Dabei finden sie in den Erziehern Vertrauenspersonen, die mit ihnen gemeinsam den Weg des Kindes ins nächste Jahrsiebt begleiten.

3.2.3. Das Freispiel

Besonderen Wert legen wir auf die Gestaltung des freien Spiels, um den Phantasiekräften des Kindes Raum zu geben. So gibt es jeden Vormittag zwei Freispielphasen - eine in den Kindergartenräumen und eine im Außengelände sowie eine weitere Freispielzeit im Wildgarten am Nachmittag nach dem Ruhen für die Nachmittagskinder. Die Fähigkeit zu spielen ist eines der wichtigsten Merkmale der geistigen Gesundheit. Während des Freispiels folgt das Kind seinen eigenen Spielimpulsen. Es bestimmt damit sein Lernen selbst und kann seine eigene Persönlichkeit voll zum Ausdruck bringen. Das Freispiel erfüllt das Kind mit Freude, erweitert seine Wahrnehmung, ermöglicht ihm immer neue Entdeckungen zu machen, regt es zu immer neuen Forschungen an und hilft dem Kind eine Beziehung zur Umwelt aufzubauen. Die Aufgabe der Erzieherinnen ist es, die Entfaltung des Spiels zu ermöglichen, dabei die kindliche Entwicklung bewusst zu begleiten und zu fördern. Unterstützt wird das Spiel durch die Begleitung und die Beobachtung des Erziehers. Meist genügen wenige Worte der Erzieherin zur Anregung und Weiterführung des Spiels. Das Kind soll dadurch, dass es seinen eigenen Spielimpulsen folgt, sein Lernen selbst bestimmen und die eigene Individualität voll entfalten können. Ein entfaltetes Spiel trägt dazu bei, dass das Kind ruhiger, zufriedener und glücklicher wird und durch die schöpferische Initiative seinen Körper und Geist in gesunder Weise aufbaut. Während der Freispielphasen in den Gruppenräumen finden parallel Tätigkeiten wie z.B. die gemeinsame Frühstückszubereitung, das Malen mit Wachsmalblöcken, am Backtag das Backen oder am Wachstag das Kneten mit Bienenwachskneten statt. Diese Angebote können selbstverständlich von den Kindern frei gewählt werden, um dem Konzept des Freispiels nicht zu widersprechen. Wichtig hierbei ist, dass diese Tätigkeiten auch dann auf die Kinder wirken, wenn sie selbst nicht daran beteiligt sind, z.B. kommt es so häufig dazu, dass von den Kindern die beobachteten Tätigkeiten im eigenen Spiel aufgegriffen werden.

3.2.4. Eurythmie

Einmal wöchentlich haben die Kinder Eurythmie. Eurythmie ist eine rhythmische Bewegungskunst, die von Rudolf Steiner entwickelt worden ist. Die Eurhythmie wird durch eine ausgebildete Eurythmistin durchgeführt. Der Inhalt richtet sich wiederum nach den Jahreszeiten und den Festlichkeiten. Die Bewegungen sind geprägt von den Elementen der Lauteurythmie, bei denen die Kinder die Eurythmistin nachahmen. Der Umfang der Eurythmie beträgt für Kinder bis zu vier Jahren 20 Minuten, für die älteren 30 bis 40 Minuten.
Eurythmie bedeutet „harmonisch bewegen“ und fördert über die Bewegung eine gesunde Entwicklung des Kindes. Die Kinder lernen auf spielerische Weise über die Nachahmungskräfte, zu Geschichten, Gedichten, Reimen, Liedern und Spielen sich freudig und rhythmisch zu bewegen.
Die rhythmischen Wiederholungen kräftigen den Willen, ein natürliches Empfinden und stärken das Selbstbewusstsein. Die Konzentration wird gefördert, die Phantasie angeregt, der ganze Körper des Kindes wird gestärkt. Die Eurythmie bringt die eigene Persönlichkeit der Kinder zur Entfaltung. Sie erleben Bewegung und Körperausruck als etwas Harmonisches, Positives und Freudiges. In der Gruppe erleben die Kinder sich als soziale Wesen. Es gibt keinen Leistungsdruck und kein Konkurrenzdenken. So unterschiedlich die Kinder auch sein mögen, bei den Eurythmiestunden im Kindergarten sind die Kinder mit der ihnen eigenen Begeisterungsfähigkeit, mit Eifer und Freude dabei.

3.2.5. Musik, Fingerspiel, Reigen und Puppenspiel

Jeder Mensch ist musikalisch und jedes Kind erst recht. Musik bietet durch Melodien, Rhythmen und Klangfarben den Kindern die Möglichkeit, Genuss, Entspannung zu erfahren. Außerdem wirkt Musik auf das seelische Empfinden, berührt die Emotionen und macht eine Verständigung über Sprachgrenzen hinweg möglich. Deswegen spielt Musik eine große Rolle in der Waldorfpädagogik im Waldorfkindergarten Geldern. So wird im Morgenkreis der Tag mit einem Lied und einem Fingerspiel begrüßt. Außerdem werden Lieder zu den Jahreszeiten und zu den Festen gesungen. Des Weiteren werden Lieder als Ritual zum Aufräumen, zum Rausgehen und zum Abschiednehmen genutzt. Der Reigen ist ein zentrales wiederkehrendes Element, das jahreszeitlich oder festlich gebunden ist. Der Reigen besteht aus Liedern, Reimen, Gedichten und Bewegungen. Er wird täglich bis auf mittwochs durchgeführt und dauert höchstens 15 Minuten. Ziel des täglichen Reigens ist es, den Gleichgewichtssinn, den Tastsinn, den Eigenbewegungssinn und den Hörsinn zu berücksichtigen und weiter anzuregen. Er wird in lockerer Form durchgeführt. Alle bewegen sich im Uhrzeigersinn, wobei die Kinder die Bewegungen der Erzieherin/des Erziehers nachahmen, ohne dazu aufgefordert zu werden. Der Reigen enthält Lieder und rhythmisch gesprochene Anteile in ausgewogener Abwechslung. Jeder Reigen wird über mehrere Tage oder Wochen wiederholt, damit die Kinder Sicherheit in den Bewegungen und Worten gewinnen können und nach und nach auch die Inhalte für sich erschließen können. Ein Puppenspiel findet in der Kindergartengruppe häufig dem zweiten Freispiel statt. Nach und nach übernehmen die Kinder Teile der kleinen Stücke selbst. Das Puppenspiel dient der Sprachentwicklung und der Übernahme von Verantwortung und Empathie. Das Weihnachtsspiel soll das Verständnis für das Weihnachtsgeschehen vertiefen. Das Weihnachtsspiel wird in der Kindergartengruppe durchgeführt. Dabei übernehmen die Kinder abwechselnd die Rollen von Maria, Josef, den Engeln und den Hirten.

3.2.6. Alltagsintegrierte Sprachförderung

Unsere Sprache ist eine fundamentale Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Mit Hilfe von unterschiedlichsten Lauten werden beim Sprechen Gedanken, Gefühle und unser Wille zum Ausdruck gebracht. Dadurch können wir uns mit anderen Menschen verständigen. Die Sprache ermöglicht es, uns anderen mitzuteilen und sie zu verstehen. Durch sie können wir aber auch uns selbst verstehen. Sie ist für unsere eigene Entwicklung nötig, damit wir unser Verhalten reflektieren und verändern können. Das Sprechen ist die Voraussetzung für viele andere Bereiche einer altersentsprechenden Entwicklung, zum Beispiel für das Erfassen von Sinnzusammenhängen, die Voraussetzung für den Erwerb des Lesens und Schreibens, des Sozialverhaltens und für die Entwicklung des Denkens.
In der lebendigen Interaktion von Mensch zu Mensch braucht das Kind Erwachsene, die ihm Aufmerksamkeit und genügend Zeit schenken. Sprache lernen Kinder in einer sprechenden Umgebung und vor allem in einer guten Beziehung zum Kind, wie in einer angenehmen Atmosphäre. Uns ist es im Waldorfkindergarten Geldern e.V. sehr wichtig, viel und gut mit den Kindern zu sprechen.

3.2.6.1. Aus- und Fortbildung
Eine pädagogische Fachkraft und Logopädin ist ausgebildet zur Sprachentwicklungsbegleiterin.

3.2.6.2. Dokumentation:
Die pädagogischen Mitarbeiter/Innen dokumentieren die Sprachentwicklung der Kinder anhand des Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren BaSiK (Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen nach Zimmer et al,2014) Dieser Bogen ist die Grundlage des jährlichen Entwicklungsgespräches mit den Eltern/Erziehungsberechtigten.

3.2.6.3. Umgang mit Sprachverzögerungen und Sprachstörungen:
Bemerken die Erzieherinnen im täglichen Umgang mit dem Kind Auffälligkeiten im Bereich Sprechen und Sprache, dokumentiert die Fachkraft oder Sprachentwicklungsbegleiterin diese in Basic (Dokumentationsbogen) Nach Auswertung der Dokumentation wird im Austausch mit den Eltern gemeinsam überlegt, wie zu Hause und im Kindergarten die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Sprachförderung ermöglicht werden können. Durch intensive Arbeit mit dem einzelnen Kind, durch Verse, Lieder, Spiele, Bewegungselemente etc. sind wir bemüht, das Kind in seinem Sprachbedürfnis und seiner möglichen Sprachhemmung liebevoll auf den Weg zu bringen. Ein regelmäßiger Austausch mit den Eltern gibt Auskunft über die Entwicklung der Sprache des Kindes. Die Dokumentation dient den Eltern auch zur möglichen Vorlage beim Kinderarzt, der dann gegebenenfalls weitere Schritte einleitet.
Auf Wunsch der Eltern hin, arbeiten wir im Rahmen unserer Möglichkeiten mit den Kinderärzten und Logopäden zusammen, so dass dem Kind die bestmögliche Förderung zu Teil wird.
Neben der integrierten Sprachförderung aller Kinder unserer Einrichtung, bietet die Logopädin für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen nach ärztlicher Verordnung eine logopädische Förderung an. Ferner berät die Logopädin/ die pädagogischen Mitarbeiterinnen beim Erkennen von Sprachauffälligkeiten und bietet Beratungsgespräche für Eltern an.Das Sprachförderkonzept wird jährlich evaluiert und der Elterngemeinschaft 1x jährlich vorgestellt.

3.2.7. Jahreszeiten und Jahresfeste

Das Jahr hat durch den Wechsel der Jahreszeiten und die damit verbundenen Vorgänge in der Natur einen eigenen festen Rhythmus. Diesen Rhythmus können die Kinder besonders gut miterleben, wenn er durch Feste und wiederkehrende Rituale begleitet wird. Das Feiern der Jahresfeste, die hauptsächlich an den christlichen Festen orientiert sind, gibt den Kindern Sicherheit, Geborgenheit und seelische Kraft. In unserem Kindergarten werden das Dreikönigsfest, Karneval, Ostern, Pfingsten, Johanni, Michaeli, das Erntedankfest, Sankt Martin, die Adventszeit und Weihnachten gefeiert. Jedes Fest wird gemeinsam vorbereitet und hat seine ganz eigene Stimmung, die sich in der Gestaltung des Raumes, dem täglichen Reigen und den Geschichten und natürlich auch in den praktischen Tätigkeiten bei der Vorbereitung der Feste widerspiegelt. Neben den christlich orientierten Festen gibt es bei uns auch ein Sommerfest, bei welchen Kinder und Eltern gemeinsam unmittelbar die Jahreszeiten erleben.

3.2.8. Nahrung für Körper, Geist und Seele

"Die Ernährung der Kinder stellt Weichen für das ganze Leben und schafft Grundlagen für die körperliche und seelisch-geistige Entwicklung." In den ersten sieben Jahren ist das Kind noch ganz damit beschäftigt, die Welt und sich selbst kennenzulernen. Es ist die Phase des größten körperlichen Wachstums. Für dieses Wachstum und die Reifung seiner Organe braucht das Kind viele Lebenskräfte. Diese Kräfte regenerieren sich in einem rhythmischen Tagesablauf, in dem feste Tageszeiten für das Essen eine gewisse gleichbleibende Struktur vermitteln. Das Frühstück wird gemeinsam in den Gruppen zubereitet. Die Atmosphäre, in der wir die Mahlzeiten einnehmen, ein liebevoll gedeckter Tisch, Ruhe und gute Stimmung beim Essen sind uns ebenso wichtig wie das Tischgebet und das gemeinsame Danken. Die Kinder erleben das Essen mit allen Sinnen, den Wandel der Jahreszeiten durch das Angebot der Natur und verfolgen den Weg vom Korn zum Brot, Wachsen, Gedeihen zum Ernten. Besonders Produkte aus biologischdynamischer Landwirtschaft fördern unser Bewusstsein von der Entstehung der Nahrungsmittel und leisten neben der Erhöhung des Wohlbefindens auch einen Beitrag zur Achtung der Erde. Wir bieten so weit möglich gesunde, d.h. vollwertig-biologische Lebensmittel an, zu denen die Kinder (Leitungs-)Wasser trinken, an Festtagen auch (Bio-)Säfte.

3.2.9. Ein typischer Tag

7.15 - 8.45 Uhr Bringzeit
7.15 - 9.30 Uhr 1. Freispielzeit in den Gruppenräumen
9.30 - 9.40 Uhr Morgenkreis
9.40 - 9.50 Uhr gemeinsames Aufräumen und Tischdecken
9.50 - 10.00 Uhr Tag einläuten
10.00 - 10.20 Uhr Reigen
10.20 - 10.45 Uhr gemeinsames Frühstück
10.45 - 11.00 Uhr Anziehen der Jacken und Stiefel
11.00 - 11.45 Uhr 2. Freispielzeit im Garten
11.45 - 11.55 Uhr Reinkommen/Ausziehen der Jacken und Stiefel
11.55 - 12.15 Uhr Märchenkreis
12.15 - 12.30 Uhr 1. Abholzeit
12.30 - 13.00 Uhr gemeinsames Mittagessen
13.00 - 13.15 Uhr Zähneputzen/Toilettengang
13.15 - 13.45 Uhr Ruhephase (Schlafen oder Erzählkreis/Meditationsspiele)
13.45 - 14.00 Uhr Anziehen der Jacken und Stiefel/2. Abholzeit
14.00 - 15.00 Uhr 3. Freispielzeit im (Wild-)Garten
15.00 - 15.45 Uhr Nachmittagsangebote (Bewegungsangebote, hauswirtschaftliche Angebote, Bastelangebote, Spaziergänge/Ausflüge, auch: Eltern-Kind-Angebote/-Ausflüge)
15.45 - 16.00 Uhr Kleine Obstzeit
16.00 - 16.15 Uhr 3. Abholzeit

4. Zusammenarbeit...

4.1. ...im Team

4.1.1. Zusammensetzung des pädagogischen Teams

Die Leitung der Einrichtung erfolgt durch eine nicht freigestellte staatlich anerkannte Erzieherin mit waldorfpädagogischer Zusatzausbildung. Die Leitung übernimmt gleichzeitig die Aufgabe der Gruppenleitung in einer der beiden Gruppen. Dabei wird sie unterstützt durch eine staatlich anerkannte Erzieherin mit waldorfpädagogischer Zusatzausbildung als Ergänzungskraft sowie in der Regel einer FOS-Kraft. Die zweite Gruppe wird geleitet durch eine staatlich anerkannte Erzieherin mit waldorfpädagogischer Zusatzausbildung und wird ebenfalls unterstützt durch eine staatlich anerkannte Erzieherin mit waldorfpädagogischer Zusatzausbildung sowie einer FOS-Kraft. Gruppen übergreifend beschäftigt die Einrichtung eine Erzieherin in berufsbegleitender Ausbildung, eine pädagogische Ergänzungskraft für den (Nach-)Mittagsbereich, eine Vertretungskraft zur Unterstützung des pädagogischen Teams, eine Eurythmistin sowie eine Raumpflegefirma. Eine Logopädin kommt wöchentlich in die Einrichtung, um, soweit nötig, die Sprachschulung durchzuführen.

4.1.2. Team- und Gruppenbesprechungen

Im Anschluss an die Betreuung hält das Team an jedem Mittwoch im wöchentlichen Wechsel Gruppen- bzw. Teambesprechungen ab, in denen die Situation der jeweiligen Gruppe im Focus der zuständigen Erzieherinnen steht bzw. die Planungen für den gesamten Kindergarten vorgenommen werden.

4.1.3. Fortbildungen

Das Team erhält im Rahmen der zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten des Träger- und Fördervereins regelmäßig die Gelegenheit an Fortbildungen teilzunehmen, wobei der Trägerverein darauf Wert legt, dass jede Erzieherin mindestens eine Fortbildung im Jahr besucht.

4.2. ...mit den Eltern

4.2.1. Die Rolle der Eltern

Grundbedingung einer erfolgreichen Erziehungsarbeit im Waldorfkindergarten ist eine enge Zusammenarbeit der Eltern mit dem Erzieherkollegium.

4.2.1.1. Entwicklungsdokumentation und Elterngespräche
Zu Beginn und regelmäßig im Verlauf der Kindergartenzeit werden Beobachtungen und Wahrnehmungen über die körperliche, sprachliche und kognitive Entwicklung des Kindes schriftlich dokumentiert. Im Rahmen regelmäßig angebotener Elterngespräche werden die Entwicklungsschritte des Kindes im Dialog mit den Erziehungsberechtigten ausgewertet und - sofern erforderlich - individuelle Fördermöglichkeiten beleuchtet. Am Ende der Kindergartenzeit wird die Entwicklungsdokumentation den Eltern übergeben.

4.2.1.2. Möglichkeit zur Hospitation
Nach vorheriger Absprache mit der jeweiligen Gruppenleiterin haben Eltern die Möglichkeit im Kindergarten zu hospitieren, um das eigene Kind in der Gruppe erleben und sich selbst ein umfassendes Bild von der Qualität unserer Arbeit machen zu können.

4.2.1.3. Elternnachmittage/ Elternabende
Zur Vertiefung des Verständnisses der Grundsätze der Waldorfpädagogik finden regelmäßig Elternnachmittage oder -abende, Kurse und Vorträge statt. Die Teilnahme der Eltern an diesen Veranstaltungen sehen wir als äußerst wichtige Basis für ein gemeinsames Verständnis und eine gute Zusammenarbeit im Sinne des Kindes.

4.2.2. Die Mitwirkung der Eltern

Als Initiativkindergarten sind wir in besonderem Maße auf die Mitwirkung der Eltern angewiesen, die sich in einem der nachfolgend aufgeführten Gremien engagieren:

4.2.2.1. Der Vorstand
Der von den Eltern in der jährlichen Mitgliederversammlung gewählte Vorstand des Trägervereins beschäftigt sich mit den finanziellen Belangen der Einrichtung, der Personalführung und allen anfallenden Verwaltungsaufgaben. Außerdem vertritt er den Kindergarten in der Öffentlichkeit. Er besteht gemäß Satzung des Trägervereins aus mind. 4 bis max. 7 Personen, die für 2 Jahre gewählt werden und tagt in der Regel alle drei Wochen. Der Vorstand arbeitet eng mit der Leitung des Kindergartens zusammen.

4.2.2.2. Der Elternrat
Der Elternrat besteht aus Vertretern der Eltern, die von der Elternversammlung am ersten Elternabend gewählt werden. Aus jeder Gruppe soll ein Elternratsmitglied und ein Vertreter gewählt werden. Der Elternrat vertritt die Interessen der Eltern gegenüber dem Träger und dem Erzieherkollegium. Der Elternrat ist über wesentliche personelle Änderungen bei den pädagogischen Kräften zu informieren. Gestaltungshinweise des Elternrats hat der Träger angemessen zu berücksichtigen. Der Elternrat tagt bei Bedarf, in der Regel einmal im Monat. Gemeinsam mit dem Träger und dem Erzieherkollegium bildet der Elternrat den Rat der Tageseinrichtung, Weitere Aufgaben des Elternrates sind die Integration neuer Eltern sowie die Mitwirkung bei Organisation und Gestaltung von Festen, Geburtstagen, etc.

4.2.2.3. Der Förderverein
Der Förderverein besteht aus ca. 4 gewählten Elternvertretern. Er fördert die Verbreitung und das Verständnis der Pädagogik Rudolf Steiners, sowohl für das pädagogische Personal als auch für die Elternschaft und die interessierte Öffentlichkeit. Er pflegt die Kontakte zur internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten, um auch über die eigenen Grenzen hinaus aktiv und informiert zu sein. Dazu nimmt er an entsprechenden Tagungen teil und kümmert sich um die zu entrichtenden Förderbeiträge, mit denen er die Fortbildung des Erzieherkollegiums sowie Fachvorträge finanziert.

4.2.2.4. Sonstige Interessengruppen
Darüber hinaus haben sich im Kindergarten weitere Interessengruppen gebildet, die die Arbeit der Erzieherinnen und Eltern in den Gremien wirkungsvoll unterstützen.

4.2.2.4.1. Die Bastelgruppe
Die Bastelgruppe stellt jahreszeitliche Bastelarbeiten, wie Blumenkinder und Zwerge aus gefärbter Wolle oder Filz, kleine Holzspielsachen, Märchenmobiles u.a. her. Diese Arbeiten können wöchentlich im Lädchen erworben werden oder werden auf dem alle 2 Jahre stattfindenden Weihnachtsbazar bzw. Handwerkermarkt verkauft. Der Erlös kommt dem Kindergarten zu Gute. Die Bastelgruppe trifft sich wöchentlich an einem Abend. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, Dinge zu Hause und so mit einer flexiblen Zeiteinteilung herzustellen. Dies ist besonders für unsere berufstätigen Eltern angenehm und ermöglicht ihnen ihr Engagement im Kindergarten einbringen zu können. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

4.2.2.4.2. Die Backgruppe
In unserer Einrichtung feiern wir im Jahresrhythmus besondere Feste, zu denen wir unsere Kinder gerne mit besonderem Gebäck verwöhnen. Dazu backen die Eltern der Backgruppe z.B. leckere Weckmänner mit Honig, Michaeliwecken und ähnliche Leckereien. Das Backen ist zur Tradition geworden und bringt immer große Freude. Es kann sich jeder einbringen, auch ohne große Backerfahrung. Rezepte liegen vor.

4.2.2.4.3. Die Bücherei und das "Lädchen"
Unser Kindergarten verfügt über eine eigene Bücherei, die sowohl Kinderbücher, als auch Fachliteratur aus den Bereichen Pädagogik, Ernährung, Gesundheit, Basteln etc. bereithält. Für die Mitarbeit in der Bücherei genügen 2 Mütter oder Väter. Die Bücherei wird von den Eltern an einem Tag ihrer Wahl in der Zeit von 8.00 - 9.00 Uhr zum Verleih und zur Rückgabe der Bücher geöffnet. Der Verleih eines Buches für 4 Wochen kostet 0,30 €. Von den Einnahmen werden neue Bücher angeschafft. Oft ergibt sich an diesem Morgen bei einem Tässchen Tee oder Kaffee ein gemütlicher Plausch und Eltern lernen sich einander kennen. Außerdem übernehmen sie den Verkauf der kleinen Angebote aus unserem Lädchen, das zur gleichen Zeit geöffnet ist. Im "Lädchen" finden sich zum direkten Verkauf jahreszeitliche Bastelarbeiten, wie Zwerge, Wollfiguren, kleine Mobil, sowie Wachsblöckchen, Bienenknetwachs und Buntstifte.

4.2.2.4.4. Die Zwergenpost
Die "Zwergenpost" ist unsere Kindergartenzeitung und wird von 3- 4 Elternteilen zusammengestellt. Sie greift Themen aus dem Kindergartenalltag auf. Unter anderem wird auf die Entlassung der Schulkinder hingewiesen. Des Weiteren enthält die Zeitung wahlweise Berichte über pädagogische Themen, Feste, Ausflüge, besondere Erlebnisse, leckere Rezepte, Fotos und vieles mehr. Darüber hinaus bietet die Zeitung dem Förderverein, dem Elternrat, den Erzieherinnen und Interessierten die Möglichkeit, Artikel, die im Zusammenhang mit dem Kindergarten stehen, zu veröffentlichen. Die Eltern erstellen eine druckfertige Datei und leiten sie zur Vervielfältigung weiter. Die Zeitung erscheint in der Regel einmal im Quartal.

4.2.2.4.5. Der Jahreszeitentisch
In unserem Flur steht im Eingangsbereich ein Tisch, welcher den Jahreskreislauf der Natur widerspiegelt. Im Wesentlichen wird der Jahreszeitentisch mit Naturmaterialien, weichen fließenden Stoffen und Figuren gestaltet. Einige Püppchen, die den Jahreszeitentisch als fester Bestandteil begleiten, sind vorhanden. Andere Dekorationsmittel finden wir je nach Jahreszeit in der Natur oder kann je nach Einfallsreichtum und Jahreszeit neu angefertigt werden. Um der Symbolkraft sowohl innerhalb der Farbauswahl als auch besonders in der Darstellung bei den christlichen Jahresfesten im Sinne der Waldorfpädagogik zu entsprechen, stehen die pädagogischen Kräfte Ihnen mit Rat und Tat gerne zur Seite. Benötigt werden 1-2 Eltern, die sich verantwortlich darum kümmern.

4.2.2.4.6. Die Gartengruppe
In unserem Wildgarten hinter dem Wendehammer ist so manche Arbeit zu tun, um dieses Gartenparadies für unsere Kinder zu erhalten. Die Arbeiten in diesem Garten beziehen sich auf das Umgraben, Jäten, Säen, Pflanzen, Bewässern, Hecken- und Baumschnitt und manches andere, woran alle Eltern abwechselnd beteiligt werden, maximal einmal im Jahr. Die Organisation der einzelnen Aufgaben übernimmt meist ein Elternteil, welches die Aufgabenverteilung jeweils rechtzeitig bekannt gibt. Wir freuen uns auf viele Teilnehmer.

4.2.2.4.7. Transportdienste
Hier und da fallen notwendige Transporte für zum Teil auch sperrige Gegenstände an. Vielleicht erhalten wir Sachspenden, die abgeholt werden müssen. Auch zur Durchführung von Ausflügen mit unseren Kindern, z.B. zur Kriemhildmühle nach Xanten, benötigen wir einen Fahrdienst. Diese Aufgabe sollte möglichst von zwei bis drei Familien übernommen werden, die über einen großen PKW verfügen.

4.2.2.4.8. Der Lesekreis
Hier kommen interessierte Eltern und Freunde der anthroposophischen Menschenkunde und der Waldorfpädagogik zusammen, um sich gemeinsam entsprechender Literatur zu widmen, sowie Vorträge Rudolf Steiners zu lesen und den Inhalt zu vertiefen. Der Lesekreis sollte von höchstens zwei Menschen in Verantwortung übernommen werden, derzeit leitet diesen unsere "Springerkraft".

4.2.2.4.9. Reparaturgruppe
Wie der Name bereits ausdrückt, kümmert sich diese Gruppe um alles, was mit dem Haus und dem Hof zusammenhängt. Hier geht es im Besonderen um nicht planbare Aktivitäten sowie Reparaturen, die im und um das Haus anfallen und nicht von unserem Hausmeister übernommen werden.

5. Beschwerdemanagement

5.1. Allgemein

Wir, die Menschen die sich im Waldorfkindergarten Geldern e.V. begegnen, sehen uns als große Gemeinschaft, in der jeder vom anderen lernen kann.
Jeder hat Ideen, Erfahrungen, Verbesserungsvorschläge und möchte sie in das Zusammenleben bei uns einfließen lassen. Doch wo viele Menschen zusammen wirken, entstehen immer auch Unmut und Unzufriedenheit. Diese Begebenheit sehen wir als Lernfeld und eine Chance, unseren Kindergarten und seine Qualität für alle zu verbessern. Dies erfordert ein offenes, vertrauensvolles Miteinander. Somit ist es uns wichtig, den Gefühlen und Konflikten in unserem Kindergarten Raum zu geben.
Eltern und Kinder haben in unserer Einrichtung grundsätzlich ein Beschwerderecht. Jeder Beschwerde gehen wir sorgfältig nach.
Wie sehen wir das für die Menschen in unserer Einrichtung?

5.2. Beschwerdemanagement Kinder

5.2.1. Kinder-Kinder

Wir haben für die Kinder und ihre Belange in unserer Einrichtung grundsätzlich ein „offenes Ohr“ und die Erzieherinnen signalisieren Interesse an den positiven und vor allem negativen Erfahrungen des Kindes. Sie beobachten genau die Signale (Traurigkeit, Wut, „sich-zurück-ziehen“) und bieten dem Kind bei Bedarf und/oder auf ausdrücklichen Wunsch hin Raum für ein vertrauliches Einzelgespräch. Im Stuhlkreis werden Gruppenkonflikte angesprochen und gemeinsam mit den Kindern an Lösungsideen gearbeitet. Hier werden auch gemeinsam Regeln und Grenzen besprochen und überarbeitet. Bei Streitigkeiten wird jedes beteiligte Kind angehört und seine Beschwerde ernst genommen und nach einer Lösung gesucht. Danach wird die für alle betroffenen Kinder akzeptable Lösung umgesetzt.
Bei Konflikten der Kinder untereinander arbeiten wir darauf hin, dass die Kinder ihre eigenen Lösungsstrategien entwickeln und so die Selbständigkeit zur eigenen Konfliktlösung wachsen können.

5.2.2. Kind-Erzieherin

Es ist uns ein großes Anliegen den Kindern zu vermitteln, das sie ihre Beschwerden angstfrei äußern können und wir bringen ihnen auch im Konflikt Respekt und Wertschätzung entgegen. Die Erzieherinnen sind im engen Austausch miteinander und durch ihre Selbstreflexion können sie Fehlverhalten von ihrer Seite her eingestehen und Verbesserungsmöglichkeiten umsetzen. Dies geschieht auch im Dialog mit dem Kind. Für uns alle gilt: Jeder Tag ist ein neuer Anfang. Und egal was gestern war: Du bist uns immer willkommen! Bei länger anhaltenden Konflikten wird der Austausch zu den Eltern gesucht und gemeinsam an einer für alle passenden Lösung gesucht.

5.3. Beschwerdemanagement Eltern

5.3.1. Eltern-Team

Wir sehen die Eltern in unserem Kindergarten grundsätzlich als Experten für ihr Kind an und als Erziehungspartner für uns.
Wir sind dankbar, wenn wir auf mögliche Unzulänglichkeiten hingewiesen werden und bemühen uns, die Beschwerde ruhig und sachlich entgegen zu nehmen. Wird die Beschwerde ein einem ungünstigen Augenblick geführt, wird gemeinsam angestrebt einen anderen Zeitpunkt zu finden der sinnvoller ist. Wenn es erforderlich ist, kommt zu einem Konfliktgespräch eine zweite Mitarbeiterin hinzu.
Wenn es erforderlich ist, wird zeitnah in der Konferenz lösungsorientiert über den Sachverhalt gesprochen. Das Einbeziehen der Personen, an welche sich die Beschwerde richtet ist unabdingbar. Bei Beschwerden wird die Leitung stets von uns informiert, in gravierenden Fällen auch der Träger.
Sollten Verbesserungsvorschläge oder Beschwerden eine Bedenkzeit erfordern, führen wir ein Beschwerdeprotokoll. Diese werden von der Leitung aufbewahrt und einmal jährlich ausgewertet. Wird deutlich das bei bestimmten Vorgängen gehäuft Beschwerden auftreten, wird gegebenenfalls eine Verbesserung in die Wege geleitet. Über gehäufte Beschwerden wird zudem der Träger informiert.
Treten Unstimmigkeiten zwischen Eltern und einer Erzieherin auf, ist es anzustreben, diesen zuerst unter den direkt betroffenen Personen sachlich zu klären. Ist dies nicht möglich, werden in aufsteigender Folge Gruppenleitung, Kindergartenleitung, Elternrat und/oder Träger informiert und werden als Schlichtungshelfer hinzu gebeten. Auch können Vertrauenspersonen hinzugezogen werden.
Neben dem Team unserer Einrichtung steht auch stets der Elternrat mit einem offenen Ohr zur Verfügung und trägt Anliegen der Familien an das Team heran. Der Initiativkreis bietet zusätzlich Raum für Verbesserungsvorschläge und Kritik die das gesamte Haus betreffen. Alle Eltern sind hier aufs herzlichste willkommen.

5.3.2. Eltern-Eltern

Bei Meinungsverschiedenheiten und Konflikten in der Elternschaft untereinander wird eine Lösung zwischen den beiden Seiten angestrebt. Sollte dies nicht so einfach möglich sein, ist der Elternrat als vermittelndes Gremium einzuschalten. Im Ernstfall werden Leitung, Träger und gegebenenfalls ein Supervisor hinzugezogen.

5.4. Beschwerdemanagement Team

Auch im pädagogischen Team kann es zu Konflikten kommen. Hier gilt die Leitung als erster Ansprechpartner, sollten die betroffenen Kolleginnen den Konflikt nicht allein lösen können.
Ist die Leitung selbst in einen Konflikt involviert oder kann als Schlichter keine Klärung herbei führen wird der Träger hinzu gezogen und gegebenenfalls einen Supervisor dazu geholt.

6. Sonderfall Kindeswohlgefährdung

In Reaktion auf Fälle von Missbrauch in Bildungseinrichtungen sowie auf familiäre Misshandlungsfälle von Kleinkindern wurde 2011 ein Gesetz verabschiedet, das den Schutz von Kindern und Jugendlichen stärkt. Die Zielsetzungen dieses Gesetzes sind vor allem:
Frühe Hilfen und verlässliche Netzwerke schon für werdende Eltern
Eine Stärkung des Einsatzes von Familienhebammen
Die Verhinderung des sogenannten „Jugendamts-Hopping“
Der Ausschluss von einschlägig vorbestraften von Tätigkeiten in der Kinder- und Jugendhilfe
Regelungen zum Hausbesuch durch die Jugendämter
Änderung der Befugnisnorm für Berufsgeheimnisträger
Verbindliche Standards der Kinder- und Jugendhilfe
Zu diesen verbindlichen Standards gehört auch die Entwicklung, Anwendung und regelmäßige Überprüfung der Leitlinien zur Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen. Nach Artikel 2 BKiSchG wird es deshalb zur Voraussetzung der Erteilung einer Betriebserlaubnis nach SGB VIII, dass neben räumlichen, fachlichen, wirtschaftlichen und personellen Voraussetzungen für den Betrieb, der Unterstützung der gesellschaftlichen und sprachlichen Integration der Kinder und ihrer gesundheitlichen Vorsorge auch die Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen durch geeignete Verfahren der Beteiligung, sowie die Möglichkeit der Beschwerde in persönlichen Angelegenheiten Anwendung finden.

7. Schlusswort

Die Idee der Waldorfkindergartenpädagogik hat ihre Wurzeln in der Frage der sozialen Gestaltung des zwischenmenschlichen Lebens. Diese Gesetzmäßigkeiten des Sozialen will unser Waldorfkindergarten beachten: Pädagogische Initiative verlangt einen Raum der freien Gestaltung. Die Motive des pädagogischen Handelns gründen in den Bedürfnissen der anderen Menschen. Spielregeln, Absprachen, Statuten etc. müssen deshalb von den Menschen formuliert werden, die betroffen sind und in dieser Gestaltung müssen alle Beteiligten gleich sein. Der Waldorfkindergarten erneuert immer wieder seinen sozialen Auftrag mit der erlebten Veränderung der Bedürfnisse der Kinder und Familien. Der Waldorfkindergarten will also eine "Keimzelle der Kulturerneuerung" (Steiner) sein.