Waldorfkindergarten Geldern

Gedanken zur Pädagogik

Kommen die Kinder zu uns in den Kindergarten, sind sie zum Teil noch so klein, dass sie noch keine rechte Vorstellung von ihrer Lebenssituation und ihrem Handeln haben. Das kleine Kind lebt noch im Mitvollzug der sinnlichen Erscheinungen seiner Umgebung, so durch unser Handeln und Tätigsein. Mit allen Sinnen gibt es sich seiner Umgebung hin. Durch diese Haltung gestaltet das Kind die Fähigkeit der Beweglichkeit, des Sprechens und Denkens aus.

Alles ist für das Kind wesentlich, alles ist sinnvoll. Somit sind wir Erzieherinnen bemüht, den Kindern eine möglichst natürliche und selbstverständliche Atmosphäre zu schaffen, in der wir gemeinsam, wie in einem großen Haushalt, in liebevoller Zuwendung leben und arbeiten.

Im dritten Lebensjahr, mit der Trotzphase beginnt das Kind die erlebte Welt gestalterisch nach außen zu setzen. Kinderzeichnungen und das Spiel des Kindes veranschaulichen diese schöpferischen und phantasievollen Kräfte die nun frei werden. Jetzt will Erlebtes verarbeitet werden. Der Gestaltungsdrang zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr ist in keiner anderen Zeit mehr so groß wie in dieser. Ihn gilt es zu pflegen, durch einen entsprechenden Tagesablauf, durch Raum und Gestaltungsmöglichkeiten.

Ganz aus der Nachahmung heraus findet das Kind über die Tätigkeit mit der Zeit in eine eigene Gestaltung des Spiels. Dabei kommt das Kind durch räumliche Gestaltung und zeitlichen Rhythmus zur nötigen Grundsicherheit und Vertrauen zu seiner Umgebung. Erlebt das Kind Raum und Zeit als geordnet und wiederkehrend kommt es zu innerer wie äußerer Sicherheit.

Eine wesentliche Bedingung für das freie kindliche Spiel
ist das Erlebnis der Tätigkeit des Erwachsenen.

Das Kind braucht das Vorbild des Erwachsenen, der ihm menschliche Qualitäten vorbildet, damit die im Kind wohnenden Fähigkeiten nach außen gesetzt werden können; damit es nachahmen kann, was als Keim in ihm liegt. So sind wir bemüht, uns einzufinden in sinnvolle, nachahmenswerte Tätigkeiten, damit wir dem Kind helfen seine Kreativität und Phantasie zu entwickeln.

Die Spielmaterialien in unserem Kindergarten haben
meist nur einen geringen Gestaltungsgrad um dem Kind
die Möglichkeit zur Kreativität zu lassen.

Die älteren Kinder im Kindergarten zeigen im sechsten und siebten Lebensjahr eine deutliche Veränderung in ihrem Spielverhalten. War das Spiel vorher getragen von dem jeweiligen Moment, so dass es sich von einem Augenblick auf den nächsten verändern kann, gestalten sich nun ganze Spielideen, die zumeist mit ihres Gleichen geplant und besprochen werden. Jetzt verbinden sich gebildete Vorstellungskräfte mit dem gerichteten Willen. Das Vorschulkind stellt sich gern sozialen Aufgaben und möchte mit bereits verantwortungsbewussten Aufgaben betraut werden. So beziehen wir die Vorschulkinder mit ein in zum Beispiel die Puppenspielbegleitung, in hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie zum Beispiel das Decken des Frühstückstisches, Blumen gießen, kleine Werk- und Reparaturarbeiten, in die Gartenpflege usw,.

Die praktischen Details der Arbeit sind in jeder Gruppe sehr verschieden. Sie orientieren sich in erster Linie an die Gruppenkonstellation und der damit verbundenen Persönlichkeit des Einzelnen.

Sicherlich ist allen Waldorfkindergärten gemeinsam, das Bemühen, die vielen mitgebrachten Qualitäten der verschiedenen Persönlichkeiten zu pflegen und zu fördern. Damit steht die Erzieherin eigentlich fortwährend in dem Bemühen sich selbst zu entwickeln.

Die Lebenssituation unserer Kinder ist gleichsam die Grundforderung an den Erwachsenen sich selbst zu erziehen. So ist Waldorfpädagogik der Versuch eines im tieferen Sinne partnerschaftlichen Miteinanders von Erwachsenen und Kindern.